Grundlage unserer strafvollzuglichen Tätigkeit in Baden-Württemberg bildet das Justizvollzugsgesetzbuch des Landes, das im dritten Buch in § 1 hinsichtlich der Zielsetzung folgendes bestimmt: „Im Vollzug der Freiheitsstrafe sollen die Gefangenen fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen.“
Aus diesem Vollzugsziel ergibt sich für alle Verantwortlichen die Verpflichtung, während des Vollzuges von Freiheitsstrafen
alles Vertretbare zu unternehmen, was dazu beitragen kann, Strafgefangene vor einem Rückfall in Straffälligkeit zu bewahren und
sie für ein künftiges Leben in sozialer Verantwortung vorzubereiten.
Je besser das gelingt, umso eher werden auch künftige Straftaten und damit auch künftige Opfer vermieden. So schützt
gelungene (Re-)Sozialisierung auch die Allgemeinheit.
Gleichzeitig ist auch die Gesundheit der inhaftierten Gesellschaftsmitglieder in hohem Maße schützenswert. Um beiden Ansprüchen an den modernen Justizvollzug gerecht zu werden, unterhält das Land Baden-Württemberg ein Justizvollzugskrankenhaus auf dem Hohenasperg. Dieses ist für stationär behandlungsbedürftige Gefangene zuständig. Die unter Umständen risikoträchtige und personalintensivere Bewachung von Gefangenen in Krankenhäusern der Regelversorgung kann dadurch deutlich reduziert werden.
Nach §§ 112 ff Strafprozessordnung kann Untersuchungshaft angeordnet werden, um das gerichtliche Verfahren gegen Beschuldigte zu sichern, das heißt insbesondere zu verhindern, dass sie sich dem Verfahren durch Flucht entziehen oder Zeugen beeinflussen. Bei bestimmten Delikten kann auch Untersuchungshaft angeordnet werden, wenn der begründete Verdacht besteht, der Beschuldigte werde erneut eine vergleichbare Straftat begehen.
Als zentrales Krankenhaus für den Justizvollzug Baden-Württemberg verfügt es über Abteilungen für Psychiatrie und Psychotherapie, Innere Medizin und Chirurgie. Es entspricht weitgehend einem Krankenhaus der Regelversorgungsstufe und hat derzeit rund 193 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Anstaltsleitung besteht aus dem Ärztlichen Direktor und einem Juristen als Vollzugsleiter. Alle Abteilungen kooperieren in der gesamten medizinisch-technischen Diagnostik und der medizinischen Versorgung eng mit einem externen Krankenhaus, sodass das breite Spektrum moderner medizinischer Methoden in Diagnostik und Behandlung gewährleistet ist. Das Justizvollzugskrankenhaus nutzt zur Behandlung und Betreuung der Gefangenen eine Vielzahl von Maßnahmen. Hierzu zählen:
- Klinisch-stationäre Behandlung und Diagnostik in den Abteilungen
- Psychiatrie und Psychotherapie
- Innere Medizin
- Elektive Chirurgie (Belegabteilung in Kooperation mit umliegenden Krankenhäusern)
- Entwöhnungstherapie für substanzgebundene Sucht
- Physiotherapie
- Sporttherapie
- Beschäftigungs- und Arbeitstherapie
- Bewegungstherapie
- Suchttherapie
- Psychologischer Kiaisondienst sowie
- Verschiedene Freizeitangebote
Im Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg haben die Gefangenen die Möglichkeit einer Beschäftigung nachzugehen.
Die Einrichtungen und Betriebe sind den Verhältnissen außerhalb der Justizvollzugseinrichtung angeglichen.
Für unsere stationär untergebrachten Patienten bieten wir Abteilungen für Psychiatrie und Psychotherapie, Innere Medizin und elektive Chirurgie im Rahmen eines Krankenhauses der Regelversorgungsstufe.
Der Tagesablauf und die Unterbringung sind dem eines Krankenhauses sehr ähnlich und entsprechend an die jeweilige Krankenstation mit ihren spezifischen Krankheitsbildern und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten der Patienten gebunden.
Die komplexen Einzelstrukturen der Stationen richten sich entsprechend nach dem jeweiligen Auftrag der Station und den individuellen Möglichkeiten der Patienten, entsprechend ist der Tagesablauf und die Unterbringung auf einer Station für Entwöhnungstherapie für substanzgebundene Sucht, internistischen Behandlungen, chirurgischer Versorgung oder akuter, subakuter oder auch chronischer Psychiatrie gestaltet.
Das Freizeitprogramm für unsere Patienten richtet sich nach den gesundheitlichen Einschränkungen und individuellen Möglichkeiten der Patienten und ist individuell auf die jeweilige Krankenstation ausgerichtet.
Die Angebote verlaufen neben den täglichen therapeutischen Gruppenarbeiten von Tischkickerspiele über Gesellschaftsspiele oder puzzeln, Gespräche mit dem Stationspersonal führen, Fernsehschauen oder soziale Kontakte zu Mitpatienten pflegen.
Das Sportprogramm ist ebenfalls auf die jeweiligen Krankenstationen mit den entsprechenden Krankheitsbildern ausgerichtet.
Da die meisten Patienten gesundheitlich bedingt nur über eine eingeschränkte physische Leistungsfähigkeit verfügen, gibt es im JVKH für die Stationen wöchentliche Patientensportgruppen in welchen der Leistungsfähigkeit entsprechend individuell angepasste sportliche Übungen, wie z. Bsp. Bewegungs- Koordinations- Gleichgewichts- oder Dehnungsübungen, durchgeführt werden.
Im Bereich der chronischen Psychiatriestation P3, in welcher oftmals schon eher stabilisierte Patienten sind, gibt es wöchentlich in der Gruppe Tischtennis, Dehn- und Bewegungsübungen auf der Matte, Rennen im Kreis, Ausfallschritt, Liegestütze und Fangspiele.
Im Bereich der P4, mit physisch stabilen Patienten, gibt es, auch im Rahmen der Therapie und zum Teil Pflichtteilnahme an einzelnen Angeboten, Fußball, Krafttraining mit Gewichten, Tischtennis, Ausdauersport mit dem Rudergerät, Airbike, Stepper und Faustball über die ganze Woche verteilt.